Praxisworkshops

Die Sportpraxis soll im Rahmen der Tagung über interaktive Praxisworkshops noch mehr Raum bekommen. Die Workshops bieten an, sowohl den Übertrag sportpsychologischer Forschungsergebnisse in die Praxis zu reflektieren, als auch gelebte Praxis auf Synergien für die wissenschaftliche Forschung zu diskutieren und weiterzudenken.

Für jeden Workshop sind 90 Minuten eingeplant. Praxisbeiträge können in Abstract Form über das ConfTool eingereicht werden. Alle Praxisworkshops werden nach ihrer Einreichung von einer Expert*innenkommission begutachtet. 

Wir bitten die Vortragenden 10 Minuten vor Beginn der Session im Raum zu sein, um die technische Einrichtung vorzunehmen und einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Alle Räume sind mit einem HDMI- und USB-Anschluss ausgestattet. Entsprechende Adapter (z.B. für Mini-USB) müssen selbstständig organisiert werden. Es werden keine Presenter zur Verfügung gestellt. Teilnehmerlisten mit allen angemeldeten Personen werden im Raum zur Unterschrift bereitgestellt. Bei Fragen stehen Ihnen unsere Raumkoordinatoren gerne zur Verfügung.

 

Diese spannenden Praxisworkshops erwarten Sie auf der Tagung:

Systemische Gruppensupervision für Sportpsycholog*innen an Olympiastützpunkten und in Sportfachverbänden

Supervision unterstützt die Entfaltung, Entwicklung und Verbesserung unseres beruflichen Handelns durch Anleitung zur Reflexion. Dies gilt sowohl für Berufseinsteiger*innen als auch für erfahrene Kolleg*innen. Im Mittelpunkt der Supervision steht der Sportpsychologe bzw. die Sportpsychologin mit seiner bzw. ihrer Berufspersönlichkeit. Das eigene Handeln, die eigene Rolle und Haltung in den unterschiedlichen Beratungsprozessen und –settings der sportpsychologischen Tätigkeiten werden anhand von aktuellen Fallbeispielen und Fragestellungen der Teilnehmer*innen reflektiert. Dabei ermöglicht das Supervisionssystem durch die Metaperspektive, die es einnimmt, einen neuen Blick auf das sportpsychologische Beratungssystem. Dieser andere Blickwinkel der Supervision ermöglicht gemeinsam mit den Teilnehmer*innen neue Ideen und Ansätze für die dargestellten Fragestellungen zu entwickeln. In diesem Workshop geben wir eine kurze Einführung in das Konzept der Supervision in Abgrenzung zu Coaching und Intervision in Anlehnung an Ebbecke-Nohlen (2025) und Schlee (2019) und stellen unseren Ansatz der systemischen Gruppensupervision für Sportpsycholog*innen vor. Um anschließend die Zeit bestmöglich zu nutzen, sollten sich die Teilnehmer*innen im Vorfeld über ein Thema oder eine Fragestellung aus der eigenen praktischen Arbeit Gedanken machen. Im Workshop entscheiden wir gemeinsam, welche Anliegen bearbeitet werden. Gerade die Zusammenarbeit von Kolleg*innen aus unterschiedlichen Settings und mit unterschiedlichen Erfahrungsstufen wird für alle gewinnbringend genutzt. Dieser Workshop geht durch die Einführung und theoretische Verortung über eine ausschließliche Supervision hinaus und bringt dieses Reflexionsformat dadurch Teilnehmenden unterschiedlichen Erfahrungsstufen näher.

Monika Liesenfeld (Dipl. Psych., Dipl. Sportl., Systemische Beraterin, Therapeutin und Supervisorin,(DGSF)) ist seit 2005 hauptamtliche Sportpsychologin am Olympiastützpunkt Berlin (OSP). Hauptaufgabe ist die sportpsychologische Beratung und Betreuung von Spitzensportle*innen und Trainer*innen aus verschiedenen Sportarten zur Vorbereitung auf nationale und internationale Wettkämpfe. Die Schwerpunkte ihrer sportpsychologischen Betreuung liegen in der hypno-systemischen und ressourcenorientierten Beratung bei Trainings- und Wettkampfdiskrepanzen sowie im mentalen Fertigkeitstraining zur Optimierung vorhandener Leistungspotentiale.

Dr. Kathrin Staufenbiel (Dipl.-Psych., Systemische Beraterin, Coachin und Supervisorin (DGSF)) ist seit 2012 als Sportpsychologin in verschiedenen Kontexten des Spitzensports tätig (u.a. OSP, NLZ, Sportfachverband), seit 2024 auch als Supervisorin im Sport und in Organisationen. Zudem war sie von 2019-2023 im Olympischen Spitzensport des Deutschen Turner-Bund als Referentin Bildung und Personalentwicklung angestellt.

Breathwork als sportpsychologische Intervention: Potenziale, Grenzen und professionelle Verantwortung

Breathwork fungiert als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Übungen und Techniken, die auf der bewussten Manipulation des eigenen Atems beruhen (Oxford English Dictionary, 2023). Die zugrundeliegenden Atempraktiken, die auf historische Traditionen und kulturelle Kontexte weltweit zurückzuführen sind, erfahren aktuell eine ausgeprägte öffentliche Sichtbarkeit, Weiterentwicklung und Popularisierung. Parallel dazu wächst das wissenschaftliche Interesse an Breathwork, wobei Übersichtsarbeiten auf eine zunehmende Evidenzbasis hinsichtlich der Wirksamkeit ausgewählter Ateminterventionen hinweisen (Benley et al., 2023; Fincham et al., 2023). Gleichzeitig ist die empirische Evidenz für spezifische Zielgruppen, wie Athlet:innen, bislang noch begrenzt.

Die bisherige Forschung fokussiert primär auf langsam getaktete Atemformen (slow paced breathing), während schnellere Atemtechniken (fast paced breathing) bislang deutlich seltener untersucht wurden (Fincham et al., 2023). Vor dem Hintergrund der niedrigen Zugangsbarrieren und der potenziellen Relevanz für Stress- & Emotionsregulation (Bentley et al., 2023), Angstreduktion, Selbstwahrnehmung (Havenith et al., 2025) und Leistungsfähigkeit (Migliaccio et al., 2023) stellt Breathwork ein vielversprechendes, zugleich kritisch zu reflektierendes Interventionsfeld für die Sportpsychologie dar.

Den Schwerpunkt des Workshops bildet eine angeleitete praktische Atemsession, ergänzt durch eine theoretische Einordnung zentraler psychophysiologischer Mechanismen sowie von Gestaltungskriterien wirksamer Atempraxis. Die Teilnehmenden erproben grundlegende Atemtechniken und reflektieren deren Wirkungen im eigenen Erleben. In einer anschließenden Gruppenreflexion werden Anwendungsmöglichkeiten und Potenziale im sportpsychologischen Kontext, Grenzen der Interventionen sowie relevante Kontraindikationen diskutiert. Ergänzend erfolgt eine kritische Einordnung von Atempraktiken mit Ursprüngen in bewusstseinsverändernden bzw. psychedelisch geprägten Ansätzen im Hinblick auf emotionale Offenheit, Verbundenheit und professionelle Verantwortung in der Arbeit mit Athlet:innen.

Zwischen Ende und Neubeginn – erfolgreiche Vorbereitung und Meisterung des Karriereüberganges

Der Übergang vom aktiven Leistungssport in die nachsportliche Karriere zählt zu den bedeutendsten und zugleich herausforderndsten Lebensphasen im Leben von Athlet*innen. Der Verlust zentraler Identitätsaspekte, Routinen und sozialer Strukturen ist häufig mit emotionalen und finanziellen Belastungen sowie unsicheren Zukunftsperspektiven verbunden. In dieser Übergangsphase übernehmen Sportpsycholog*innen eine zentrale Rolle, um Athlet*innen bei der Bewältigung psychologischer Anpassungsprozesse zu unterstützen und Ressourcen für Stabilität, Orientierung und Neubeginn zu aktivieren.

Der Praxisworkshop verknüpft zentrale theoretische Modelle des Karriereübergangs (z. B. Stambulova, 2003; Wylleman & Lavallee, 2004) mit konkreten, praxisorientierten Interventionsmethoden. Die Teilnehmenden reflektieren typische Übergangsszenarien, analysieren individuelle und systemische Einflussfaktoren und erproben Methoden zur Förderung von Bewältigungskompetenzen, Identitätsarbeit und Zukunftsplanung. Dabei kommen sowohl Ansätze aus der Einzelarbeit (z. B. Wertearbeit, Ressourcenbalance, Rollenklärung) als auch systemische Perspektiven (z. B. Umfeldkommunikation, soziale Unterstützungsnetzwerke) zum Einsatz.

Anhand von Fallbeispielen aus unterschiedlichen Disziplinen wird vermittelt, wie sportpsychologische Fachkräfte Athlet*innen vor, während und nach dem Karriereende begleiten können. Exemplarisch werden Maßnahmen zur Vorbereitung und Begleitung des Karriereübergangs an den Olympiastützpunkten Berlin und Rhein-Neckar vorgestellt. Dazu gehören niederschwellige Serviceangebote, die auf psychologische und psychosoziale Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Karriereende fokussieren.

Die Teilnehmenden gewinnen Einblicke in konkrete Beratungsprozesse, die Förderung von Selbstwirksamkeit und Lebensbalance sowie in interdisziplinäre Angebote, die Athlet*innen beim Übergang in die nachsportliche Karriere unterstützen. Ein im Rahmen einer Masterarbeit evaluiertes Workshopformat für Athlet*innen ab NK 1 wird vorgestellt und gemeinsam reflektiert. Ziel ist die Erweiterung der Handlungssicherheit, die Stärkung der eigenen Beratungskompetenz und die Förderung nachhaltiger Übergangsbegleitung.

Dr. phil. Brit Wilsdorf, Sportpsychologin und Psychologische Psychotherapeutin, ehemalige Leistungssportlerin (Kanu-Rennsport), tätig an den OSP Berlin und Brandenburg, Verbandspsychologin und Dozentin. Beide sind aktive Mitglieder des DGPPN-Referats Sportpsychiatrie und -psychotherapie sowie Gründerinnen von ATHLETES IN MIND.

Aufstellungsarbeit im Safe-Sport-Kontext – Smart & safe intervenieren

Gesund leisten zu können ist eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige sportliche Entwicklung – im Leistungs- wie im Nachwuchs- und Breitensport. Psychische und physische Integrität bilden dabei die Grundlage für Leistungsfähigkeit, Lernprozesse und Persönlichkeitsentwicklung. Sportpsycholog:innen, Mentaltrainer:innen und Trainer:innen stehen zunehmend vor der Herausforderung, leistungsmotivierte Ziele mit dem Schutz der Athlet:innen in Einklang zu bringen und schädigenden Dynamiken frühzeitig zu begegnen.

Vor diesem Hintergrund wurde durch die Swiss Association of Sport Psychology (SASP) ein Safe-Sport-Leitfaden für Sportpsycholog:innen und Mentaltrainer:innen entwickelt, der Mitte 2024 veröffentlicht wurde. Ergänzend dazu ist eine kompakte Kurzbroschüre entstanden, die praxisnah Orientierung für Prävention, (Früh-)Erkennung problematischer Entwicklungen sowie für Interventionen im Betreuungskontext bietet.

Die Arbeitsgruppe mind2win (Cristina Baldasarre, Hanspeter Gubelmann und Philippe Müller) stellt im Rahmen dieses Workshops die Grundzüge des Leitfadens sowie die Kurzbroschüre vor und diskutiert deren Anwendung im sportpsychologischen Alltag.

Den Schwerpunkt des Workshops bildet eine anwendungsorientierte Einführung in die Aufstellungsarbeit als „smart & safe intervention“. Nach einer kurzen theoretischen Einführung erhalten die Teilnehmenden eine strukturierte Anleitung und arbeiten im Workshop-Setting selbst mit Aufstellungen. Dabei kommen u. a. Figuren und Materialien zum Einsatz, die auch für die eigene Praxis genutzt werden können. Die Methode eignet sich insbesondere zur Klärung komplexer, belastender oder schädigender Situationen im Sport und eröffnet neue Perspektiven für Intervention, Entscheidungsfindung und Handlungssicherheit.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Safe Sport erhalten die Teilnehmenden konkretes methodisch-didaktisches Rüstzeug, um die vorgestellten Ansätze reflektiert und verantwortungsvoll in die eigene Praxis zu übertragen.

Hanspeter Gubelmann, ehemals Leistungssportler, Trainer und Sportlehrer, hat langjährige und vielfältige Praxiserfahrungen in unterschiedlichen Handlungsfeldern des Sports gesammelt. Aktuell ist er im Teilpensum am Institut für Verhaltenswissenschaften der ETH Zürich in der Ausbildung zukünftiger SportlehrerInnen engagiert. Daneben betreut er als Sportpsychologe seit 35 Jahren zahlreiche Spitzensportler:innen in den verschiedensten Sportarten. Obwohl die individuelle Leistungsoptimierung häufig im Vordergrund seiner Tätigkeit steht, liegt ihm stets auch die Eigenverantwortlichkeit in der Persönlichkeits- und Autonomieentwicklung am Herzen.

Cristina Baldasarre, ehemalige Leistungssportlerin und Trainerin, hat langjährige und vielfältige Praxiserfahrungen in mehreren Gebieten des Sportes gesammelt. Zur Zeit arbeitet sie als selbstständige Sportpsychologin und hypnosystemische Psychotherapeutin in eigener Praxis. Sie betreut seit über 20 Jahren zahlreiche Breiten- sowie Leistungssportler aus unterschiedlichsten Sportarten mit Schwerpunkt kompositorische Sportarten und Kinder/Jugendliche. Dabei steht die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit im Vordergrund, eine zentrale Voraussetzung, um konstant hohe Leistungen erbringen zu können. 

Philippe Müller arbeitet als selbstständiger Sportpsychologe. Er betreut seit über 10 Jahren zahlreiche Breiten- und Leistungssportler:innen, sowie Teams und Coaches aus verschiedenen Sportarten. Im Zentrum seiner Tätigkeit steht der Mensch mit allen seinen Facetten. Persönlichkeitsentwicklung und leistungsthematische Aspekte sind gleichermassen Teile seiner Arbeit wie die Begleitung in der Rehabilitation. Seit 2022 absolviert er sein Doktorat an der Universität Zürich und hat eine Anstellung in der Sportmedizinischen Forschungsgruppe der Universitätsklinik Balgrist.

Motivational Interviewing in der psychosozialen Beratung von Leistungssportler*innen – Praxis‑Workshop für Coaches und beratende Sportpsycholog*innen

Im sportlichen Kontext trifft man häufig auf psychosoziale Themen wie Liebeskummer, die Vereinbarkeit von Schule und Training, Konflikte im Team oder familiäre Belastungen, die nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können (z.B., Nixdorf, Frank & Beckmann, 2015). Motivational Interviewing (MI; Rollnick & Miller, 1995) ist seit seiner Entstehung in den 1980erJahren ein evidenzbasiertes Gesprächs und Veränderungsverfahren, das besonders wirksam ist, wenn Klient*innen mit ambivalenten Gefühlen, inneren Widerständen oder schwierigen Lebenssituationen konfrontiert sind und kann helfen, lösungs bzw. ressourcenorientierte Ziele zu entwickeln. Daher wird es auch immer häufiger im sportlichen Kontext verwendet (Rollnick, Fader, Breckon, & Moyers, 2019).

Der vorliegende 90MinutenWorkshop richtet sich an Coaches und angewandt arbeitende Sportpsycholog*innen, die MI kennenlernen und gezielt einsetzen möchten, um Athlet*innen bei solchen Herausforderungen zu unterstützen. Der Workshop bietet dabei eine Einführung in MI mit praktischen Übungen und Fallbeispielen.

Karolina Grebner hat einen Abschluss in Psychologie und promoviert aktuell zu Burnout und mentaler Gesundheitskompetenz im Leistungssport. Darüber hinaus ist sie psychologische Psychotherapeutin (KVT) und behandelt (Leistungs-)Sportler*innen in einer Ambulanz am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim.

Tabea Werner hat einen Abschluss in Psychologie und promoviert derzeit zu Resilienzprozessen und psychosozialen Faktoren im Kontext von Sportverletzungen. Darüber hinaus arbeitet sie seit vier Jahren als angewandte Sportpsychologin mit Sportler*innen und Trainer*innen zusammen.

Beide nutzen Motivational Interviewing regelmäßig in der Beratung und Behandlung.

Coach the Coach im Leistungssport

Der Praxisworkshop richtet sich an Sportpsycholog:innen, die Trainer:innen im Leistungs- und Nachwuchssport begleiten und ihr methodisches Repertoire im Bereich Supervision und Intervision erweitern möchten. Vorgestellt wird das Fortbildungsformat „Coach the Coach“, das im organisierten Leistungssport, u.a. im Deutschen Turnerbund, erfolgreich zur Unterstützung von Trainer:innen eingesetzt wird.

Ziel des Coach-the-Coach-Formats ist die strukturierte Reflexion herausfordernder Coaching- und Führungssituationen aus dem Trainings- und Wettkampfalltag. In kleinen Gruppen bearbeiten Trainer:innen eigene Praxisfälle gemeinsam mit einer sportpsychologischen Leitung. Typische Themen sind u. a. der Umgang mit Eltern, Motivationsprobleme von Athlet:innen sowie eigener Stress und Leistungsdruck. Dieses Fortbildungsformat verbindet kollegiale Intervision mit sportpsychologischer Supervision. Methodisch liegt der Fokus im Coach-the-Coach-Format auf einem lösungsfokussierten Vorgehen (Kirsch, 2023): Ausgehend von der Problembenennung werden mithilfe gezielter Fragen und Visualisierungen konkrete Zielvisionen und Handlungsoptionen entwickelt.

Der Workshop gibt Einblick in Aufbau, Ablauf und Interventionen des Formats und zeigt, wie „Coach the Coach“ sowohl online als auch in Präsenz umgesetzt werden kann.

Dr. Lisa-Marie Schütz ist zertifizierte Sportpsychologin (asp) und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Sportpsychologie – Sport, Individuum und Gesellschaft am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg. Ihre Forschung konzentriert sich auf Urteils- und Entscheidungsprozesse im Sport, mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz von Videotechnologien. Darüber hinaus befasst sie sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Praxis angewandter Sportpsycholog*innen. In ihrer praktischen Tätigkeit begleitet sie Sportler*innen und Trainer*innen aus dem Gerätturnen, dem Bob- und Schlittensport sowie weiteren Individualsportarten.

Dr. Laura Voigt ist zertifizierte Sportpsychologin (asp) und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Leistungspsychologie am Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihr Forschungsschwerpunkt sind kognitive und motorische Prozesse bei der Leistungserbringung unter Druck. In ihrer angewandten Arbeit betreut sie Nachwuchssportler*innen und ihre Trainer*innen, schwerpunktmäßig im Gerätturnen weiblich.

Sportpsychologische Betreuung bei Vorwürfen von Machtmissbrauch und psychischer Gewalt im Leistungssport -Ein intervisionsorientierter Praxisworkshop

Im organisierten Leistungssport berichten Athlet:innen wiederholt von Erfahrungen psychischer Gewalt und Machtmissbrauch, die sowohl ihr psychisches Wohlbefinden als auch ihre sportliche Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen können (Ohlert et al., 2021). Entsprechende Vorwürfe werden zunehmend öffentlich thematisiert, nicht selten in akuten Krisensituationen, in denen Anschuldigungen bereits innerhalb von Verbänden oder Vereinen bekannt geworden sind und mediale Aufmerksamkeit erfahren. Für Sportpsycholog:innen ergeben daraus besondere Herausforderungen: Die Vorwürfe haben unmittelbare Auswirkungen auf Athlet:innen, Trainer:innen sowie weitere Akteur:innen des Betreuungssystems und erfordern ein sensibles, reflektiertes und zugleich handlungsorientiertes sportpsychologisches Vorgehen.

Ausgangspunkt ist ein in der Praxis erprobter Workshop, der nach Bekanntwerden von Vorwürfen in getrennten Gruppen mit Athlet:innen und Trainer:innen unterschiedlicher Alters- und Kaderstufen durchgeführt wurde. Dabei wurden psychoedukative Impulse zu psychischer Gewalt, Machtmissbrauch und relevante Rahmenbedingungen (z. B. Kinderrechte) gegeben. Gleichzeitig konnten Erfahrungen in einem geschützten Rahmen ausgetauscht und gemeinsam praxisnahe Lösungsansätze für ein respektvolles Trainingsumfeld entwickelt werden.  Es wurden sowohl die Perspektiven der Athlet:innen – etwa Erwartungen, Wünsche und Grenzen für selbstbestimmtes Training (Deci & Ryan, 2000) – als auch der Trainer:innen – etwa Umsetzung selbstbestimmter Trainingsgestaltung und Reflexion von Kommunikation und Konfliktbewältigung – berücksichtigt. Das Vorgehen orientierte sich an psychosozialen Ansätzen zur Bearbeitung psychologischer bzw. interpersonaler Gewalt und kombiniert Psychoedukation, Austausch und partizipative Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten (Abregú-Tueros et al., 2024; Schmitz et al., 2023). Anhand dieses Beispiels werden typische Spannungsfelder, Dynamiken und Rollenkonflikte sportpsychologischer Betreuung in der Akutphase sichtbar.

Der Praxisworkshop richtet sich gezielt an erfahrene Sportpsycholog:innen, die bereits mit solchen Situationen konfrontiert waren oder sind, und ist ausdrücklich als Intervisionsformat konzipiert. Die Teilnehmenden sind eingeladen, eigene Erfahrungen, Unsicherheiten und Fragen aus vergleichbaren Situationen einzubringen und gemeinsam zu reflektieren, wie sportpsychologische Begleitung in Krisenkontexten gestaltet werden kann – sowohl gegenüber Athlet:innen als auch Trainer:innen und Organisationen.

Dr. Lisa-Marie Schütz ist zertifizierte Sportpsychologin (asp) und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Sportpsychologie – Sport, Individuum und Gesellschaft am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg. Ihre Forschung konzentriert sich auf Urteils- und Entscheidungsprozesse im Sport, mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz von Videotechnologien. Darüber hinaus befasst sie sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Praxis angewandter Sportpsycholog*innen. In ihrer praktischen Tätigkeit begleitet sie Sportler*innen und Trainer*innen aus dem Gerätturnen, dem Bob- und Schlittensport sowie weiteren Individualsportarten.

Sinnerleben und Charakterentwicklung im (Nachwuchs-)Leistungssport: Synergien für die Praxis aus olympischen Sportarten und dem Profifußball

Als zentraler Bestandteil mentaler Gesundheit und Leistungsfähigkeit rücken das Erleben von Sinn (Oblinger-Peters et al., 2025) sowie die persönliche und soziale Entwicklung von Athlet*innen zunehmend in das Blickfeld der Sportpsychologie. Während Viktor Frankl (1946/1982) den „Willen zum Sinn“ bereits früh als fundamentales menschliches Bedürfnis definierte, bleibt das Konzept in der praktischen Anwendung oft schwer greifbar. Parallel dazu zeigt sich im Elite-Nachwuchsfußball, dass die persönliche Entwicklung das Fundament für sportlichen Erfolg bildet.

Sowohl das persönliche Sinnerleben als auch die systematische Charakterentwicklung sind Bereiche, die trotz ihrer enormen Relevanz in der aktuellen Sportlandschaft noch unterbelichtet bleiben. Dieser Praxisworkshop rückt diese essenziellen Themen in den Mittelpunkt um eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung von Athlet*innen zu gewährleisten.

Der Workshop zielt darauf ab, Sportpsycholog*innen, Trainer*innen und Administrator*innen Werkzeuge an die Hand zu geben, um diese Themen fundiert in ihre Arbeit zu integrieren:

  1. Die existenziell und positiv-psychologische Perspektive: Dr. Violetta Oblinger-Peters gibt Einblicke in ihre Arbeit im olympischen Individualsport. Sie präsentiert sinnbasierte Interventionen (u.a. Frankl’s Logotherapie, LeBe-Kartenmethode; la Cour & Schnell, 2023), welche es Athlet*innen ermöglichen, Klarheit über Sinnquellen als ihr persönliches Fundament zu gewinnen und damit auch abseits des Podiums Erfüllung zu finden.
  2. Der systemische Ansatz (BVB Leadership Academy): Dr. Tim Kübel stellt die BVB Leadership Academy vor, die Charakter nicht als Zufallsprodukt, sondern als „starke Wurzeln“ für die Stürme des Profifußballs begreift. Basierend auf dem Leader Character Framework (Crossan et al., 2017) wird gezeigt, wie im NLZ systematisch an Tugenden gearbeitet wird. Der Fokus liegt dabei auf der Erkenntnis, dass nur eine gefestigte Persönlichkeit als Fundament in der Lage ist, die Herausforderungen im Sport und im Leben zu überkommen.

Der Workshop wechselt zwischen Theorieinputs und interaktiven Phasen. In Kleingruppen bearbeiten die Teilnehmenden Fallbeispiele, um den Transfer von „Sinn“ und „Tugend“ in den sportlichen Alltag – vom Einzelsetting bis zur Organisationskultur – greifbar zu machen. Ziel ist es, Strategien zu entwickeln, wie Athlet*innen nicht nur zu besseren Entscheidern in ihrem Sport, sondern zu starken Persönlichkeiten im Leben reifen.

Burnoutmechanismen in der Sportpsychologie verstehen und präventiv handeln

Sportpsycholog:innen bewegen sich in einem Spannungsfeld aus hohen Leistungsansprüchen, emotionaler Nähe zu Athlet:innen, Rollenkonflikten und strukturellen Rahmenbedingungen, die selbst als relevante Risikofaktoren für Burnout wirken können. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben, Verhalten und professionellem Handeln erscheint daher als wesentliche
Voraussetzung nachhaltiger sportpsychologischer Praxis. Der Workshop beginnt interaktiv mit einer Aufstellungsübung zur ersten Exploration des Themenfeldes und um die verschiedenen Perspektiven im Raum sichtbar zu machen. Aufbauend auf theoretischen Input (u.a. Prävalenzen, Burnoutzustand nach Berger, Faktoren nach Maslach, Schaufeli und Leiter, ERI-Modell nach Siegrist) bearbeiten die Teilnehmer:innen verschiedene Fallbeispiele aus der Praxis der Sportpsychologie in Kleingruppen. Darin analysieren sie mögliche Entstehungsmechanismen, identifizieren Stress- und Burnoutsymptome, ordnen den Fall in Verlaufsphasen ein, erarbeiten konkrete Präventions- und Interventionsvorschläge sowie Transfermöglichkeiten auf die eigene Tätigkeit. Die Ergebnisse werden im Plenum reflektiert und diskutiert.

Ziel des Workshops ist es, Sportpsycholog:innen für Burnoutmechanismen im eigenen Tätigkeitsfeld zu sensibilisieren, ihre Selbstreflexionskompetenz zu stärken und konkrete Handlungsmöglichkeiten zur nachhaltigen Gestaltung ihrer beruflichen Praxis zu entwickeln.

Mario Schuster ist Sportpsychologe, Sportwissenschafter sowie hauptamtlicher Mitarbeiter des ÖBS (Österreichisches Bundesnetzwerk für Sportpsychologie) am Kompetenzzentrum in Wien. Hier ist er auch gemeinsam mit Bundesfachverbänden für die Entwicklung und Umsetzung sportpsychologischer Projekte zuständig. Zudem ist er auch als zertifizierter Arbeits- und Organisationspsychologe tätig und engagiert sich im Bereich der Burnoutprävention in Sportorganisationen, sowie Organisationen in der Wirtschaft.

Alexandra Hofer ist  klinische Psychologin, Sportpsychologin und Arbeitspsychologin. Nach ihrer Tätigkeit in einer Klinik arbeitet sie heute in einer psychosozialen Beratungseinrichtung in der klinisch-psychologischen Behandlung und Diagnostik sowie selbstständig in eigener Praxis. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf Burnout-Prävention und dem gesundheitsförderlichen Umgang mit Belastungen – praxisnah, alltagsrelevant und wissenschaftlich fundiert.

Zwischen Leistung und Lebensrealität: Intersektionalität als Schlüsselkompetenz in der sportpsychologischen Beratung

Sportpsychologische Beratung bewegt sich täglich zwischen Leistungsoptimierung und den komplexen Lebensrealitäten von Athlet*innen. Doch Leistungsentwicklung ist nie neutral; sie ist eingebettet in soziale Positionierungen, Zugehörigkeitserfahrungen und strukturelle Machtverhältnisse. Nur wie professionell gehen wir mit den Macht-, Zugehörigkeits- und Identitätsdynamiken um, die Leistung und Wohlbefinden mitprägen? Intersektionalität (Crenshaw, 1989) ermöglicht es, diese Dynamiken professionell sichtbar und bearbeitbar zu machen als Kernkompetenz sportpsychologischer Praxis. Intersektionalität beschreibt die konstitutive Verwobenheit sozialer Kategorien wie ethnischer Herkunft, Geschlecht, Klasse, sexueller Orientierung und Behinderung und dient als analytisches Instrument zur Reflexion von Macht- und Privilegstrukturen. Trotz zunehmender Anerkennung dieses Zusammenspiels bleibt die Integration kultursensibler sportpsychologischer Praxis bislang unzureichend (Quartiroli et al., 2021; Schinke et al., 2019). Es fehlt sowohl an strukturellem und theoretischem Verständnis für die Relevanz von Kultur als auch an systematischer Selbstreflexion und Ausbildung in der praktischen Umsetzung. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Workshop an.

Um intersektionale Perspektiven als integralen Bestandteil professioneller sportpsychologischer Beratung zu verankern, untergliedert sich der Praxisworkshop in vier Abschnitte und ermöglicht Teilnehmenden: 1) ein vertieftes Verständnis für die Relevanz von Intersektionalität zu entwickeln, 2) praktische Impulse kennenzulernen, um Intersektionalität in ihre eigene Arbeit zu integrieren und 3) DEIBJ-Prinzipien (Diversity, Equity, Inclusion, Belonging & Justice) gezielt in Beratungssituationen anzuwenden. Im ersten Abschnitt wird durch eine Übung zur Selbstreflexion in die Thematik eingeführt und anschließend, im zweiten Abschnitt, die Relevanz von Intersektionalität im Zusammenhang mit sportlicher Leistungsfähigkeit und mentalem Wohlbefinden wissenschaftlich eingeordnet. Der dritte Abschnitt ermöglicht es, durch praktische Übungen einen eigenen Werkzeugkasten zu entwickeln und auf unterschiedliche Beratungskontexte zu übertragen. Abschließend werden zentrale Erkenntnisse im kollegialen Austausch reflektiert und in konkrete sportpsychologische Handlungsschritte überführt. Dabei setzen sich Teilnehmende intensiv mit der eigenen Identität sowie damit verbundenen Privilegien und Herausforderungen auseinander und schärfen ihr professionelles Selbstverständnis im Sinne eines inklusiveren Beratungsumfelds. Somit verlassen Teilnehmende den Workshop mit der Fähigkeit, intersektionale Dynamiken in Beratungssituationen zu erkennen, systematisch zu analysieren, eigene Positionierungen kritisch zu reflektieren und in professionelle Handlungspraxis zu übersetzen. 

Elisa Lierhaus (sie/ihr) ist sportpsychologische Expertin, M.Sc. (Sportpsychologie), systemische Beraterin sowie Antidiskriminierungs- und Diversity-Trainerin aus Berlin, die seit 2015 im Leistungs- und Breitensport tätig ist, unter anderem für ALBA Berlin und 1. FC Union Berlin. Sie verbindet sportpsychologisches Coaching mit einem klaren Engagement für Diversität und Antidiskriminierung im Sport, um inklusive Räume zu schaffen, in denen alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion oder Alter Chancengleichheit erfahren. Elisa’s Arbeit zeichnet sich durch eine ressourcen- und lösungsorientierte Praxis aus, die auf einem offenen und diskriminierungskritischen Verständnis beruht.

Charlotte Mohn, M.Sc., M.A. (keine Pronomen; M.Sc. Sportpsychologie, M.A. Sozialpsychologie mit Schwerpunkt Mentale Gesundheit) ist selbstständig mit Mohntal Performance in der sportpsychologischen Beratung tätig mit Schwerpunkt auf Leistungssport sowie soziale Gerechtigkeit im und durch Sport. Charlotte ist in der asp-Expert:innendatenbank für Leistungssport eingetragen und besitzt die „Qualifizierung zur Ansprechperson zum Schutz vor sexualisierter & interpersoneller Gewalt im Sport“. Charlotte promoviert an der Deutschen Sporthochschule Köln am Institut für Soziologie und Genderforschung und arbeitet als wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in an der CAU Kiel im Arbeitsbereich Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft mit Fokus auf ein DEIBJ-orientiertes Lehr- und Forschungsprojekt.

Dr. Penelope Murdock (sie/ihr) ist Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Sportpsychologie und ist promoviert in Psychologie. In ihrer Arbeit verbindet sie intersektionale, kulturelle und dekoloniale Perspektiven mit Ansätzen der Positiven Psychologie in wachstumsorientierter sportpsychologischer Beratung, im Coaching und in der Lehre. Penelope ist zertifizierte Lehrtrainerin der Positiven Psychologie akkreditiert durch den Deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie (DACH-PP) e.V. Derzeit leitet sie interimistisch den Arbeitsbereich Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft an der CAU Kiel. Sie steht für eine reflektierte, wissenschaftlich fundierte und wirksame sportpsychologische Praxis.

Queere Psychologie im Leistungssport

Sport repräsentiert Vielfalt, einschließlich sexueller Diversität. Dennoch bleibt das Coming-Out im Sport ein sensibles Thema. Queere Athlet:innen stehen im Profisport vor erheblichen Herausforderungen, darunter ein vermindertes Sicherheitsgefühl aufgrund der Angst vor offener Diskriminierung und Mikroaggressionen im Sportalltag. Diese Herausforderungen verstärken neben dem Leistungsdruck auch die Stressbelastung und erhöhen somit Risikofaktoren für die mentale Gesundheit.

Ein vielversprechender Interventionsansatz bildet hierbei der systemische Ansatz in der Sportpsychologie, der sich durch eine humanistisch-wertschätzende sowie individuelle ressourcen- und lösungsorientierte Haltung auszeichnet. Dieser berücksichtigt neben den Athlet:innen auch deren soziales Umfeld und Beziehungen – insbesondere Trainer:innen, Mannschaften und familiäre Bezugssysteme – und ermöglicht damit einen differenzierten Umgang mit Diskriminierungserfahrungen im Leistungssport.

Dieser theorievermittelnde und praxisorientierte Workshop besteht aus zwei Teilen:

Der erste Teil umfasst wissenschaftlich fundiertes Wissen und behandelt folgende Themen: (1) Grundlagen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sowie Prozesse der queeren (nicht-heterosexuellen) Identitätsentwicklung und des Coming-Outs, (2) erhöhte Stressbelastungen bei queeren Athlet:innen auf Basis des Minderheiten-Stress-Modells im Kontext des wettbewerbsorientierten Leistungssports, (3) Diskriminierung, Aggressionen und Mikroaggressionen im Leistungssport und deren Auswirkungen auf die mentale und sportliche Leistung, und (4) systemisch-sportpsychologische Interventionstechniken im Umgang mit Diskriminierung sowie Förderung der Trainer:innen-Athlet:innen-Beziehung.

Der zweite, praxisorientierte Teil des Workshops baut auf den theoretischen Inhalten auf und ist in zwei Abschnitte untergliedert. Im ersten Abschnitt wird ein offener, moderierter Austausch über Erfahrungen in der Arbeit mit queeren Athlet:innen durchgeführt. Dabei werden sowohl positive Erlebnisse als auch Herausforderungen im Leistungssport reflektiert, etwa in Bezug auf Erfahrungen mit Coming-out-Prozessen, den Umgang mit Diskriminierung sowie Unsicherheiten. Diese Erfahrungen werden auf unterschiedlichen Systemebenen eingeordnet – der individuellen (z.B. Athlet:in, Trainer:innen-Identität), der interaktionellen (z.B. Trainer:in-Athlet:innen-Beziehung), der organisationalen-strukturellen (z.B. Verbände, Leistungszentren, Regelwerke) und der gesellschaftlichen Ebene (z.B. Geschlechternormen von Männlichkeit und Weiblichkeit im Sport).

Der zweite Abschnitt fokussiert die Anwendung systemischer Interventionstechniken im Leistungssport anhand praxisorientierter Fallbeispiele. Die Workshopteilnehmenden werden in Kleingruppen und im Plenum angeleitet, queere Fallsituationen systemisch zu analysieren. Dabei werden beispielsweise Fallsituationen analysiert im Kontext von Coming-out-Prozessen im Team, identitätsspezifischen Unsicherheiten von Athlet:innen unter Einbezug sozialer Bezugspersonen (z.B. Trainer:innen, Partner:innen oder Familie), dem Umgang mit Mikroaggressionen im Trainingsalltag oder Unsicherheiten von Trainer:innen im professionellen Handeln. Abschließend erfolgt eine individuelle Praxis- und Transferphase zur Entwicklung konkreter Handlungsoptionen für den eigenen sportpsychologischen Arbeitskontext sowie zur Reflexion der eigenen Haltung zu queersensiblen Themen sowie Interventions- und Handlungsstrategien.

Ziel des Workshops ist es, sportpsychologisches Fachpersonal und Mentaltrainer:innen für die spezifischen Belastungsfaktoren queerer Athlet:innen zu sensibilisieren und praxisrelevante systemische Interventionsstrategien zur Unterstützung bei Diskriminierungserfahrungen im Leistungssport zu vermitteln.

Robin Conen, PP, M.Sc., M.Sc. (Pronomen: Er / Ihn) (M.Sc. Klinische Psychologie, M.Sc. Wirtschaftspsychologie) ist Doktorand (Universität Trier), Psychologischer Psychotherapeut (Richtlinienverfahren: Systemische Psychotherapie) in Köln sowie Sportpsychologe und Mitglied im Netzwerk „Die Sportpsychologen“.  Er ist im Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung eingetragen und Mitglied der Psychotherapeutenkammer NRW. Zudem verfügt er über die Zusatzqualifikation „Queere Psychologie – Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Vielfalt in Psychotherapie und Beratung“.

Charlotte Mohn, M.Sc., M.A. (Pronomen: Kein Pronomen) (M.Sc. Sportpsychologie, M.A. Sozialpsychologie mit Schwerpunkt Mentale Gesundheit)  ist selbstständig in der angewandten Sportpsychologie tätig mit Mohntal Performance und Mitglied im Netzwerk „mentaltalent“. Zudem ist Charlotte in der asp-Expert:innendatenbank für Leistungssport eingetragen und besitzt die „Qualifizierung zur Ansprechperson zum Schutz vor sexualisierter & interpersoneller Gewalt im Sport“. Charlotte promoviert an der Deutschen Sporthochschule Köln am Institut für Soziologie und Genderforschung und arbeitet als wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in an der CAU zu Kiel im Arbeitsbereich Sportpsychologie mit Fokus auf das DEIBJ-orientierte Lehr- und Forschungsprojekt „Intersectional Positive Cultural Sport Psychology Education and Training“.

Organisation: Mohntal Performance, Deutschland

 

Motiv-Profil-Sport: Individuelle Motivdiagnostik und Teamentwicklung im Nachwuchsleistungsfußball

Motivdiagnostische Verfahren zielen auf die Erfassung zeitlich überdauernder Personenmerkmale (Motive) ab, welche mitunter als dispositionale Richtungs- und Antriebsgrößen menschlichen Handelns betrachtet werden. Sie beeinflussen neben der subjektiven Bewertung von Zielanreizen auch die emotionale Reaktion darauf (McClelland, 1999; Schultheiss, 2008; Schultheiss & Brunstein, 2010). In der Motivationsforschung werden implizite Motive, welche durch projektiv-assoziative Verfahren erfasst werden, von expliziten Motiven unterschieden, deren Erfassung durch Fragebogenverfahren möglich ist (Rheinberg, 2004b).

Der Workshop stellt mit dem Motiv-Profil-Sport ein diagnostisches Instrument vor, welches die Erfassung relevanter Handlungsmotive in der sportpsychologischen Praxis ermöglicht. Der Fragebogen erfasst insgesamt 11 als leistungsrelevant identifizierte Motive auf einer Skala von 0 (schwache Ausprägung) bis 1 (starke Ausprägung). Die individuellen Motivprofile werden in Bezug zum leistungssportlichen Kontext gesetzt, ohne dabei eine Bewertung im Sinne von „gut“ oder „schlecht“ vorzunehmen. Ziel ist es vielmehr, differenzierte Einblicke in die selbstberichteten motivationalen Antriebskräfte von Athlet*innen zu gewinnen und dadurch Trainer*innen und Sportpsycholog*innen zu helfen, maßgeschneiderte Interventionen zur gezielten Ansprache und Potenzialförderung der Athlet*innen abzuleiten. In einer umfassenden Längsschnittstudie zum Einfluss physischer, psychologischer und fußballspezifischer Faktoren auf die Talentselektion im Nachwuchsleistungsfußball wurde einzelnen Motiven aus dem Motiv-Profil-Sport eine mittlere Wichtigkeit zugeschrieben, was ihre Bedeutung für die sportpsychologischen Praxis unterstreicht (Altmann et al., 2024). Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf der praktischen Anwendung des Motiv-Profil-Sport im Nachwuchsleistungsfußball. Die Teilnehmenden füllen das Instrument selbst aus und besprechen die verschiedenen Motive anhand ihrer eigenen Ausprägungen in einer interaktiven Aufstellung. Dabei werden typische Situationen aus der Praxis aufgegriffen, um beispielhaft aufzuzeigen, wie das Motiv-Profil-Sport genutzt werden kann, um sowohl die individuelle Leistungsentfaltung der Athlet*innen als auch das Zusammenwirken im Trainerteam bzw. Staff zu unterstützen.

Abschließend bietet der Workshop Raum für einen interaktiven Austausch, in dem neben methodischen Details auch Erfahrungen und praktische Herausforderungen in der Umsetzung der Motivdiagnostik im Sport reflektiert werden. Ebenfalls werden die Grenzen der Motivdiagnostik und typische Probleme bei der Erhebung (z.B. Introspektionsfähigkeit, soziale Erwünschtheit) thematisiert. Im Zentrum der Diskussion steht die Rolle der Motivation als persönlicher und teambasierter Faktor für eine erfolgreiche Leistungsentwicklung und insbesondere, wie unterschiedliche Ausprägungen der Motive gezielt in die Trainings- und Beratungsarbeit integriert werden können. Dies ermöglicht den Teilnehmer*innen, konkrete Anwendungsstrategien für den eigenen Arbeitsalltag abzuleiten.

RelaquaMED – Achtsamkeit, Tauchreflex und Entspannung: Ein sportpsychologisch-physiotherapeutischer Praxisworkshop im und unter Wasser

Stressassoziierte körperliche und psychische Belastungen stellen sowohl im Leistungs- als auch im Gesundheitssport eine zunehmende Herausforderung dar. Neben reflektorischen, physiologischen Reaktionen gewinnen Konzepte der Körperwahrnehmung und Achtsamkeit eine zentrale Bedeutung, um nachhaltige Entspannungsprozesse zu ermöglichen. Jon Kabat-Zinn definiert Achtsamkeit als eine bewusste, gegenwartsbezogene und nicht-wertende Form der Aufmerksamkeit und betont, dass nicht die Eliminierung äußerer Stressoren, sondern ein veränderter Umgang mit ihnen im Fokus stehen sollte (Kabat-Zinn, 1990). Die Relevanz dieses Ansatzes wird durch stressphysiologische Befunde gestützt, die zeigen, dass chronische Stressbelastung mit beschleunigten Alterungsprozessen auf zellulärer Ebene einhergehen kann (Epel et al., 2004).

Der Praxisworkshop stellt die Methode RelaquaMED vor, ein achtsamkeitsbasiertes Entspannungsverfahren, das Atemtherapie, Elemente der Entspannungstherapie und die physiologischen Effekte des Tauchreflexes kombiniert. Entspannung wird hierbei als psycho-physiologischer Zustand reduzierter zentralnervöser Aktivität verstanden, der insbesondere durch eine Aktivierung des Parasympathikus, eine Senkung der Herzfrequenz, des Muskeltonus sowie des Blutdrucks gekennzeichnet ist (Esch et al., 2003). Achtsamkeit kann diese Entspannungsreaktion fördern, indem sie die Wahrnehmung und Verarbeitung von Stress moduliert und als protektiver Faktor wirkt (Chin et al., 2019).

Im Workshop erleben die Teilnehmenden die Methode praktisch im und unter Wasser. Durch das Eintauchen werden visuelle und auditive Reize stark reduziert, was eine gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit begünstigt. Achtsamkeitsübungen wie der Body-Scan bilden eine zentrale Grundlage der Methode (Linder, 2017). Ein besonderes Element von RelaquaMED ist die bewusste Wahrnehmung des eigenen Herzschlags während des Tauchens, wodurch Körperwahrnehmung, Atemrhythmus und Entspannungsreaktion eng miteinander verknüpft werden.

Erste empirische Hinweise auf die Wirksamkeit der Methode liefert eine quasi-randomisierte kontrollierte Studie mit 61 Versuchspersonen, die positive Effekte von Relaqua auf Schlafqualität und Schmerzsymptomatik bei Personen mit Erschöpfungssymptomatik und chronischem Rückenschmerz zeigte (Rentschler, 2025). Diese Befunde sowie Kenntnisse zu den physiologischen Prozessen des Tauchreflexes bilden die Grundlage für weiterführende Anwendungs- und Forschungsansätze, unter anderem im Kontext von Long- und Post-Covid-Syndromen (s. Postervortrag M. Wochner).

Der Workshop verbindet wissenschaftlich fundierte Inhalte mit Selbsterfahrung und richtet sich an Fachpersonen aus Sportpsychologie, Physiotherapie, Medizin und angrenzenden Disziplinen, die achtsamkeitsbasierte Entspannungsverfahren praxisnah kennenlernen möchten.

Besonderheiten in der Behandlung psychischer Erkrankungen bei Athlet*innen

Psychische Erkrankungen kommen bei Athlet*innen genauso häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung, Essstörungen treten sogar häufiger auf. Die psychotherapeutische wie auch die psychiatrische Behandlung von Leistungssportler*innen kann mit besonderen Herausforderungen verknüpft sein. Dies betrifft zum Beispiel Fragen hinsichtlich Trainings- und Wettkampfteilnahme, Anforderungen an Ernährung und Gewicht, Erholungs- und Belastungsmanagment, Kommunikation mit dem Umfeld und auch die medikamentöse Behandlung muss hinsichtlich der sportlichen Leistungsfähigkeit und Anti-Doping-Bestimmungen angepasst werden. Möglichkeiten, Chancen, Herausforderungen und Grenzen im ambulanten wie auch im stationären Setting sowie in der interdisziplinären Zusammenarbeit werden diskutiert und der Praxistransfer anhand von Fallbeispielen herausgearbeitet. Neben einem theoretischen Background werden die Workshopleiterinnen dabei ihre langjährigen Erfahrungen aus verschiedenen Kontexten mit einbringen.

Dr. med. Petra Dallmann ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefärztin der Libermenta Klinik Schloss Freundental. Dort leitet sie auch die Spezialstation Pro Sports. Sie ist zudem in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und leitet eine Sprechstunde für Leistungssportler*innen an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg und dem Olympiastützpunkt Rhein-Neckar. Seit 2012 sind beide aktive Mitglieder im DGPPN-Referat Sportpsychiatrie und -psychotherapie und haben das Projekt ATHLETES IN MIND zusammen gegründet. Seit 2024 ist Petra Welfare Officer des DBS und hat die Olympischen Spiele in Paris 2024 und Mailand 2026 im Bereich Mental Health und Safe Sport unterstützt.

Dr. phil. Brit Wilsdorf ist Sportpsychologin und psychologische Psychotherapeutin. Ihre Promotion hat sie innerhalb des Projektes „Regman“ im Rahmen der Testentwicklung des Akutmaßes und der Kurzskala Erholung und Beanspruchung absolviert. Praktisch arbeitet sie in den Schnittstellen zwischen Sportpsychologie und Psychotherapie u.a. an den Olympiastützpunkten Berlin und Brandenburg, als Verbandspsychologin sowie als ambulant tätige Psychotherapeutin und Dozentin. 2024 hat sie zudem als Welfare Officer des DOSB das Team D bei den Olympischen Spielen in Paris im Bereich Mental Health und Safe Sport unterstützt.

Achtsamkeit erleben: Weniger Atmung, mehr Handlung

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