Senior Lecture

Die diesjährige „Senior Lecture“ wird von Frau Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich gehalten. Sie referiert zum Thema „Bewegungscoaches in der Kita“

Prof. Ulrike Ungerer-Röhrich

Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich (geb. 1948 in Essen) studierte Sport, Mathematik und Pädagogik in Mainz (Diplom-Sportlehrerin 1971) und Psychologie in Marburg (Diplom-Psychologin 1976). Über mehrere Jahre qualifizierte sie sich in Kindertherapie, Tanz- und Bewegungstherapie, in Psychodrama und systemischer Therapie.

Ihre berufliche Tätigkeit begann an einem Gymnasium (1971-1974); es folgte die Arbeit am Mental Health Center in Pittsburgh, USA (1974) und an einer Fachschule für Psychomotorik (1976/77) ehe sie Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaft der TH Darmstadt (1977-1993) wurde. Dort promovierte sie 1984; ihre Arbeit wurde im Carl-Diem-Wettbewerb des DSB ausgezeichnet. Die Habilitation erfolgte 1994 und sie folgte einem Ruf auf eine Professur für Sportpädagogik/Sportdidaktik an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (1994-2000). Von 2000 bis März 2014 arbeitete sie als Professorin für Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Sport und seine Organisation für Kinder und Jugendliche an der Universität Bayreuth.

Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gesundheitsförderung in Kindergarten und Schule, Bildung und Bewegung im Elementarbereich, Bewegte Schule, Qualifikation durch E-Learning, systemische und ressourcenorientierte Konzepte im Coaching. Diese Schwerpunkte sind mit drittmittelgeförderten Forschungsprojekten verbunden wie „Schatzsuche im Kindergarten“, „Klettern in Kitas“ oder auch BEOS (Bewegung und Ernährung an Oberfrankens Schulen) – zusammen mit dem Arbeitsbereich Gesundheitsökonomie von Prof. Dr. Eckart Nagel.. Seit 2014 verantwortet sie im BMBF geförderten Projekt Capital4Health den Bereich Kita.

Von 1994 bis 2015 arbeitete sie als Redaktionsmitglied der Zeitschrift „sportunterricht“, sie war Mitglied der Jury für den ersten Deutschen Präventionspreis (2004) und Mitglied verschiedener Arbeitsgruppen der Bertelsmann-Stiftung. In der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sowie im erweiterten Vorstand der Plattform Ernährung und Bewegung arbeitete sie in Gesundheitsprojekten. Von 2013 bis 2019 war sie Vorstandsvorsitzenden der Plattform Ernährung und Bewegung.

Sie hat an den nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung mitgewirkt und hier vor allem den Bereich Kinder bearbeitet. Auch an verschiedenen Broschüren der BzgA  zu Qualitätskriterien hat sie maßgeblich mitgearbeitet, sowie aktuell an den Bewegungsempfehlungen des RKI.

Im Vorstand der deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) war sie von 2005 bis 2009 als Vizepräsidentin für Bildung und Gesundheit tätig. In ihrer Amtszeit entstand das erste Memorandum zum Schulsport. Anschließend übernahm sie die Verantwortung in der Ethikkommission. 2019 wurde sie mit der goldenen Ehrennadel der dvs ausgezeichnet. 

Von 2000-2004 war sie Frauenbeauftragte der kulturwissenschaftlichen Fakultät und von  2004 – 2010 Frauenbeauftragte der Universität Bayreuth. In ihrer Amtszeit hat sie sich schwerpunktmäßig um das Thema familiengerechte Hochschule und Kinderbetreuung gekümmert und sich für den Bau einer „Bewegungskrippe“ engagiert und das Konzept für die pädagogische Arbeit kooperativ entwickelt.   

Abstract:

Wieso, weshalb, warum ……. ein Coach eine (bewegte) Kita begleiten sollte

Kinder brauchen Bewegung. Wieviel? Mindestens 1000 Schritte pro Stunde und wieviel schaffen sie? Viel zu wenig und in der Pandemie noch weniger. Appelle nutzen wenig, genauso wie Ratschläge oder gutgemeinte Programme für Kitas. Aber in der Kita erreicht man viele Kinder. Stimmt, aber Entwicklung zu mehr Bewegungsfreudigkeit muss von den Kitas ausgehen. Wie das funktionieren kann, wurde im BMBF-Projekt QueB – Qualität entwickeln mit und durch Bewegung gezeigt.

Kitas wurden unterstützt ihre Organisation so zu entwickeln, dass sowohl die Kinder als auch die pädagogischen Fachkräfte ihre Handlungsmöglichkeiten für einen aktiven Lebensstil nachhaltig erweitern. Die Kitas folgten dem Public Health Action Circle und wurden von QueB-Coaches begleitet. Verschiedene Methoden wie eine Kita-Check-App, eine Bewegungstagebuch-App und Schrittzähler wurden eingesetzt. Getestet wurde das Vorgehen in einer einjährigen Studie in zwei Regionen in Bayern mit Wartegruppe, prä-post-Design und mixed-methods Ansatz.

Kinder und pädagogische Fachkräfte bewegten sich deutlich mehr nach der Intervention. In der Kita wurden nicht nur die vorhandenen Möglichkeiten sich zu bewegen mehr genutzt, es wurden auch neue Bewegungsgelegenheiten geschaffen. Analysen der Ziele, die die Kitas individuell formulierten, zeigten vielfältiges Potential für die Kita-Entwicklung.

In diesem Beitrag soll der Coach in den Mittelpunkt gestellt werden, der Kitas auf der Basis eines systemisch orientierten Konzeptes in ihrer Entwicklung unterstützt. Konkret hat ein QueB-Coach folgende Aufgaben:

  • Kitas auf dem Weg zu bewegungsfreundlichen Einrichtungen begleiten (Prozessbegleitung)
  • Kitateams unterstützen, eigene Ressourcen und Bedarfe zu identifizieren
  • Unterstützung bei der Auswahl und Formulierung von Zielen und der Planung von Maßnahmen
  • Unterstützung bei der Identifikation von Herausforderungen und dem Finden von passgenauen Lösungen
  • Anregung zur Selbstreflexion und zum Selbstmanagement/ Gesundheitsmanagement.

Das Konzept für die Weiterbildung zum QueB-Coach wird ebenfalls im Vortrag vorgestellt. Es macht die Teilnehmer:innen mit dem QueB-Ansatz und den Instrumenten und Methoden von QueB vertraut.  Darüber hinaus sind Inhalte der Weiterbildung „Bewegung und Bewegungsförderung“, „Bildungsort Kita und Kita als System“, sowie „systemisches Coaching und Moderation“. Ergebnisse der ersten Weiterbildung werden diskutiert.

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